
"Der Mensch ist das Zentrum" schreibt Josef Floch 1952 in sein Tagebuch und for-muliert in dieser knappen Feststellung zugleich das Wesen seiner Malerei. Es ist der Mensch in seiner Bedingtheit, mit seinen Gefühlen, Wünschen und Sehnsüchten, seinen Zweifeln und Problemen, den Floch immer wieder in seinem Werk themati-siert. Meist haben seine Bilder keine Handlung, erzählen keine Geschichten sondern beschreiben Zustände der conditio humana und Beziehungen des menschlichen Zusammenlebens.
In mehreren Fassungen malt Floch in den fünfziger Jahren das Motiv einer Mutter mit ihrem Kind auf einer Dachterrasse. Ähnlich seinen allegorischen Darstellungen der drei Lebensalter, symbolisiert die Szene das Zusammentreffen zweier Generati-onen. Steht der Junge in der größeren Fassung noch im "Schatten" seiner Mutter, sind die beiden in vorliegendem Bild durch eine Mauer getrennt. Es ist die emanzi-piertere der zwei Varianten, die den größten Bildausschnitt zeigt und den Protago-nisten den meisten Handlungsraum läßt. Von Aufbau und Kolorit ist vorliegendes Bild exemplarisch für Flochs Malerei und zeigt die strenge architektonische Linien-führung in Verbindung mit stark leuchtenden Primärfarben, die kontrastierend nebeneinander gesetzt sind.
Spectators I, 1954, Öl auf Leinwand, 47,5 x 47 cm, signiert Floch
